Die Erbfolge gemäss Zivilgesetzbuch (ZGB)

Wer urteilsfähig ist und das 18. Altersjahr zurückgelegt hat, kann als Erblasser über sein Vermögen nach dem Tod frei verfügen, dies unter Berücksichtigung gewisser gesetzlicher Bestimmungen.

Gesetzliche Erbfolge

Im Zivilgesetzbuches ist die gesetzliche Erbfolge aufgeführt, die zur Anwendung kommt, wenn Sie keine letztwillige Verfügung getroffen, das heisst, kein Testament verfasst und keinen Erbvertrag abgeschlossen haben (Art. 457 ff. des ZGB).

Den gesetzlichen Erben steht eine bestimmte Erbquote am Nachlass zu. Erbberechtigt sind in erster Linie Ihre Nachkommen sowie Ihr Ehepartner oder Ihre Ehepartnerin. Eingetragene Partner sind Ehegatten gleichgestellt. Bei Fehlen von Nachkommen wird Ihr elterlicher Stamm, bei dessen Fehlen Ihr grosselterlicher Stamm erbberechtigt.

Existieren keine gesetzlichen Erben, so fällt Ihr Nachlass an das Gemeinwesen, das heisst an Ihren letzten Wohnsitz-Kanton oder an Ihre Wohnsitz-Gemeinde.

Pflichtteilsgeschützte Erben und freie Quote

Das Gesetz sieht sogenannte Pflichtteile für gewisse Erben vor. Wenn Sie die gesetzliche Erbfolge durch eine letztwillige Verfügung abändern wollen, dürfen Sie diese Pflichtteile nicht verletzen. Andernfalls kann ein pflichtteilsgeschützter Erbe gegen die Verletzung klagen.
Pflichtteilsgeschützt sind Ihr Ehegatte beziehungsweise Ihre Ehegattin und Ihre Nachkommen. Ebenso Ihre Eltern, sofern keine Nachkommen vorhanden sind. Geschwister sind hingegen nicht pflichtteilsgeschützt.

Der neben den Pflichtteilen verbleibende Anteil an Ihrem Nachlass ist die freie Quote. Über diese können Sie mit Ihrer letztwilligen Verfügung frei entscheiden.

Hilfe beim Ermitteln der freien Quote

Frei verfügen können Sie also nur über diejenige Quote, die nicht durch Pflichtteile gebunden ist. Berechnen Sie Ihre persönliche Erbsituation mit dem Testament-Check der Vereinigung MyHappyEnd ganz einfach online.

Bei komplizierten Konstellationen empfiehlt es sich, einen Notar oder einen Rechtsanwalt beizuziehen.

Warum soll ich ein Testament verfassen?

Nur wenn Sie ein Testament verfassen oder einen Erbvertrag abschliessen, haben Sie die Gewissheit, dass Ihr Hab und Gut unter Beachtung der gesetzlichen Pflichtteilsansprüche gemäss Ihrem Willen verteilt wird. Und dass nur von Ihnen gewünschte und auserwählte Personen oder Organisationen Ihren Nachlass oder Teile davon erhalten.

Mit einem Testament beugen Sie Missverständnissen oder gar Erbstreitigkeiten vor. Die gesetzlichen Regelungen genügen nur dann, wenn Sie ausschliesslich die gesetzlichen Erben berücksichtigen wollen und darüber hinaus keine persönlichen Wünsche haben. Sobald Sie verbindlich bestimmen wollen, wer wie begünstigt werden soll, wird ein Testament zwingend nötig.

Zudem können Sie zur Verwaltung und zur Teilung der Erbschaft einen Willensvollstrecker Ihres Vertrauens einsetzen. Die Erteilung einer Bankvollmacht über den Tod hinaus gilt nicht als letztwillige Verfügung und ersetzt das Testament auf keinen Fall.

Für die Regelung Ihres Nachlasses stehen Ihnen verschiedene Formen der letztwilligen Verfügung offen: das eigenhändige Testament, das öffentliche Testament, das Nottestament sowie der Erbvertrag. Letzterer unterscheidet sich in der fehlenden einseitigen Widerrufbarkeit. Das heisst, Sie können die im Erbvertrag vereinbarten Anordnungen über Ihren Nachlass ohne Zustimmung der anderen Vertragsparteien nicht abändern oder widerrufen.

Das eigenhändige Testament

Das eigenhändige Testament ist die einfachste Form, Ihre Wünsche verbindlich festzuhalten. Die eigenhändige letztwillige Verfügung ist vom Erblasser von Anfang bis Ende mit Einschluss der Angabe von Jahr, Monat und Tag der Errichtung von Hand niederzuschreiben sowie mit seiner Unterschrift zu versehen. Ausserdem müssen seine Identität und sein Wille zweifelsfrei verständlich sein. Alle Erben und begünstigten Personen oder Institutionen sollen dabei möglichst vollständig mit Namen und Adresse angegeben werden.

Das öffentliche Testament

Das öffentliche Testament muss von einer Urkundsperson – meistens einem Notar – in der Gegenwart von zwei handlungsfähigen Zeugen beurkundet werden. Weder Zeugen noch Beamte dürfen enge Verwandte des Erblassers sein oder im Testament berücksichtigt werden.

Welche Testamentsform ist sinnvoll?

In den meisten Fällen ist das eigenhändige Testament die sinnvollste Variante. Bei Zweifeln hinsichtlich der Urteilsfähigkeit des Erblassers oder der Erblasserin oder bei komplexen Nachlassregelungen empfiehlt sich das teurere, öffentliche Testament.
Egal welche Testamentsform – ob eigenhändig oder öffentlich – Sie wählen, die güterrechtliche Auseinandersetzung – also beispielsweise die Aufteilung von Errungenschaften, die sich während einer Ehe im ordentlichen Güterstand angehäuft haben – erfolgt immer vor der erbrechtlichen Teilung.

Aufbewahrung und Änderung beziehungsweise Widerruf

Lassen Sie das eigenhändige oder öffentliche Testament nach Möglichkeit bei Ihrer Wohnsitzgemeinde kostenlos deponieren. So stellen Sie sicher, dass es nach Ihrem Ableben aufgefunden und eröffnet wird. Unter Einhaltung der vorgeschriebenen Formen kann es später jederzeit geändert, widerrufen oder vernichtet werden.

Haben Sie Fragen zu Ihrem Testament? Gerne vermitteln wir Ihnen einen unabhängigen Notar für ein kostenloses Erstgespräch.